| Meerschweinchen Haltung Vergesellschaftung |
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| Freitag, 18. April 2008 | |
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Basis-Infos zu Haltung+Vergesellschaftung Zur Meeri-Haltung allgemein Grundlegend und wichtig ist eine Faustregel in der Meerschweinhaltung, und wer diese beachtet, tut seinen Schweinen einen großen Gefallen. Eins ist keins - oder auch: Nimm (mindestens) zwei. Das bedeutet im Klartext natürlich nicht, daß das einzelne Meerschweinleben nichts wert ist. Aber ein Meerschwein kann nur dann sein Leben artgerecht und in vollen Zügen genießen, wenn es einen Partner seiner Art, also ein anderes Meerschwein um sich hat. Denn nur mit diesem kann das Meeri kommunizieren, sich über schweinische Dinge freuen, nach Herzenslust um saftiges Futter streiten, plappern, flitzen und die Welt entdecken. Warum? Ganz einfach: Meerschweine sind Rudeltiere. In der Natur leben sie in großen Sippen, zumeist hat ein Männchen einen Harem von mehreren Weibchen. Jedes Tier hat innerhalb des Rudels eine bestimmte Stellung. Was bedeutet das jedoch nun für uns, die wir Meerschweine als Haustiere halten? Wer sich Meerschweine anschafft, sollte den Platz großzügig kalkulieren. Die kleinen Tiere rennen gerne, und optimalerweise sollte pro Tier 1 qm zur Verfügung stehen – als Mindestmaß werden –von Tierheimen etc. oft 0,5 qm genannt. Wer sich an die letztere von beiden Richtlinien hält, sollte beachten, dass dieses ein absolutes Mindestmaß darstellt – größentechnisch kann man sich das ganze vorstellen wie einen 100-cm Kaufkäfig. Dauerhaft ist das natürlich ziemlich eng und wenig abwechslungsreich. Daher sollte man – wenn man sich einen Kaufkäfig zulegt, nicht unter 1,40m Länge für 2 Tiere kalkulieren. Wer die Tiere in Käfigen hält, sollte ihnen täglich Auslauf gewähren. Dazu ein paar Tipps: Mit PVC, einer Decke darüber und einigen Gehegeelementen lässt sich ganz einfach und schnell an jeden Kaufkäfig ein Dauerauslauf basteln, der von Meeris gerne angenommen wird. Weidenbrücken, ein paar Kuschelrollen und gut duftendes Heu hinein – die Tiere werden sich freuen. Viele Meerihalter bevorzugen auch sogenannte „Bodengehege“, die sich mit einem Untergrund und Gehegeelementen ganz einfach selber machen lassen. Der Phantasie des 2 Beins sind dabei keine Grenzen gesetzt. Über Suchmaschinen findet man schon sehr viele gute Bauanleitungen für meerschweingerechte Bodengehege oder Eigenbauten. Diese können individuell sowohl auf die räumlichen Begebenheiten der Zweibeiner sowie auf persönliche Vorlieben der Wutzen abgestimmt werden. Das ist ein großer Vorteil. Zudem kommt man mit einem selbstgebauten Gehege manches Mal sogar preislich günstiger weg, als wenn man zur "Fertig"-Alternative aus dem Zooladen greift. Sie ahnen schon – hier gilt: Gutes muss nicht teuer sein. Gerade in Zoofachgeschäften wird ein wahnsinniges Geld damit gemacht, die angeblich idealen Nagerkäfige für einen unbeschreiblich hohen Preis zu verscherbeln. Lassen sie sich dabei nicht übers Ohr hauen. Wenn Sie sich für einen Kaufkäfig entscheiden reicht es völlig, wenn dieser aus einer möglichst großen (!) Plastikwanne mit Gitter besteht – Käfige, die bereits integrierte Häuser aus Plastik haben, eingebaute Treppensysteme etc. sind NICHT meerschweingerecht. Und – ganz wichtig dabei: Nicht alle Meerschweinchen mögen Treppen steigen. Die wenigsten von ihnen klettern mehrere Geschosse hoch. Sehen sie daher davon ab, viele Geschosse in den Meerschweinbau einzubauen. Eine zweite Ebene ist völlig in Ordnung, man sollte jedoch von weiteren Etagen absehen – Meeris kraxeln nicht gerne in schwindelerregenden Höhen herum. Welche Gruppenkonstellationen kann man halten? Die „natürliche“ Sippenform des Meerschweinrudels (die bereits zu Beginn als eine Sippe aus einem Bock mit mehreren Weibchen beschrieben wurde) lässt sich in der domestizierten Haltung am ehesten durch die Haltung von einer Gruppe mit einem kastrierten männlichen Meerschwein simulieren, dem man mehrere Weibchen zusetzt (in der Regel sind dies zwei, da in der Haustierhaltung auch der Platz begrenzt ist. Es ist NICHT im Sinne der Tiere und vor allem nicht im Sinne des Tierschutzes, Tiere beiderlei Geschlechts zusammen zu halten, wenn ein unkastrierter Bock im Spiel ist. Beachten Sie bitte, dass es in der Natur der Meerschweine liegt, soviel Nachwuchs wie nur irgend möglich zu produzieren. Das heißt, wer einen unkastrierten Bock zu Weibchen setzt, ohne sich über die Konsequenzen im klaren zu sein, der macht das weibliche Tier / die weiblichen Tiere unfreiwillig zu einer Gebärmaschine. Die Sauen können direkt nach der Geburt wieder nachgedeckt werden, ein Leben mit einem unkastrierten Bock eskaliert daher oftmals ungewollt zu einem Teufelskreis. Da die Besitzer oftmals nur mangelhaft über die Vergangenheit der Tiere bescheid wissen, können genetische Defekte etc. oftmals nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, was im Klartext bedeutet: auch das Leben von Muttertier und Kindern wird durch eine Schwangerschaft aufs Spiel gesetzt. Seien Sie deshalb fair zu den Tieren – und lassen Sie nur kastrierte Böckchen mit Weibchen zusammen sitzen. Bedenken Sie bitte immer, dass es bereits genug Tiere in Not gibt. Man sollte in erster Linie anstreben, diesen Tieren zu helfen - anstatt das Tier-Elend durch ungeplante Vermehrungen noch zu vergrößern. Es empfiehlt sich also, einen kastrierten Bock mit mehreren oder auch einem Weibchen zu halten, aber auch gleichgeschlechtliche Gruppen wie z.B. zwei oder mehrere Weibchen ODER zwei oder mehrere Böcke sind möglich. Zur (reinen) Bockhaltung: Ich möchte an dieser Stelle gerne mit ein paar Vorurteilen aufräumen. Böckchen stinken nicht, wenn sie unter ihresgleichen gehalten werden – und auch nicht im Rudel. Böckchen werden nicht größer als Weibchen und sie sind auch nicht aggressiver. Wenn man ein paar Kleinigkeiten beherzigt, kann man eine durchaus gut funktionierende und harmonische Bock-Gruppe halten. Prinzipiell brauchen Böckchen etwas mehr Platz. Das heißt, wer sich auf eine reine Böckchenhaltung einlässt, der sollte die Gehege so gestalten, dass sich die Herren auch mal aus dem Weg gehen können. Generell empfiehlt sich ein klarer Altersunterschied zwischen den einzelnen Tieren, da es bei gleich alten Böcken immer wieder zum Kräftemessen kommen kann. Ebenfalls problematisch ist es, zwei älteren Böcken ein Babyböckchen zuzusetzen, da die beiden anfangen könnten, um den Kleinen zu streiten. Böcke verstehen sich unter ihresgleichen eigentlich sehr gut, solange kein Weibchen ins Spiel kommt. Dabei reicht es manchmal schon aus, wenn nur eine Dame in Sichtweite auftaucht, (z.B. ein Tier in der Urlaubspflege) um die Harmonie in der Bockgruppe auf immer zu zerstören. Dieser Risiko-Faktoren sollte man sich bewusst sein. Wir empfehlen auch bei reinen Bockgruppen, die Tiere kastrieren zu lassen. Denn nur so kann man sich sicher sein, daß wirklich nichts passiert – wenn ein Bock z.B. mal aus dem Gehege ausbricht und es doch mal auf wundersame Weise zu den Mädels im Nachbarzimmer o.ä. schaffen sollte. Zur (reinen) Weibchenhaltung: Man kann auch eine Gruppe mit mehreren Weibchen zusammen halten. Auch hier erleichtert ein Altersunterschied das Festlegen der Rangfolge. Es stimmt nicht, dass in reine Mädelsgruppen automatisch Zickenterror auf dem Programm steht. Das ist mit Sicherheit eine Charakterfrage – zudem empfiehlt es sich auch, bei extremer Dominanz und Zickigkeit sowie verstärktem Brommseln das betreffende weibliche Tier beim Arzt durchchecken zu lassen, denn es könnte sein, dass eine verstärkte Hormonproduktion (oft einhergehend mit Zysten) der Grund für dieses Verhalten ist. Wichtig ist: auch schon winzig kleine Zysten können hormonell aktiv sein – die Größe der Zysten ist dabei kein Kriterium. Wenn diese hormonelle Aktivität frühzeitig erkannt wird, kann man ihr (durch Gabe von Hormonspritzen oder auch homöopathischen Sprays) gut entgegenwirken. Die Haltungsform die der natürlichen Lebensweise am nächsten kommt, ist –wie bereits erwähnt, eine Harem-artige Konstellation von einem Kastraten mit einem oder mehreren Weibchen. Für alle diese Haltungsformen gilt – sowohl in gleichgeschlechtlichen als auch in gemischten Gruppen: In jeder Meerschweingruppe herrscht eine Rangordnung. Mit etwas Übung lässt sich schon nach kurzer Zeit auch von einem Laien die Rangfolge innerhalb der Gruppe interpretieren. Es gibt immer Rudeltiere, die mehr zu sagen haben, und andere die sich unterordnen. Wenn man Meerschweine, die bislang einander fremd waren, in einer Gruppe zusammenführt – sie „vergesellschaftet“, muss die Rangordnung in der Gruppe neu hergestellt werden – oder zumindest von den Tieren „diskutiert“ werden. Es muss geklärt werden, wer der „Boss“ ist – wer sich unterordnet. Daher ist es ganz logisch und auch normal und folgerichtig, dass es bei so einer Vergesellschaftung zu Auseinandersetzungen kommen kann. Die Auseinandersetzungen können wie folgt aussehen: Die Tiere jagen sich Das ranghöhere Tier „besteigt“ das rangniedere Die Tiere „brommseln“, generelles Imponiergehabe von Böcken oder auch dominanten Weibchen (klingt wie das Gurren einer Taube, es wird kräftig mit dem Hinterteil gewackelt) Diese Auseinandersetzungen sollten sich spätestens nach ein paar Tagen gelegt haben. Die Vergesellschaftung sollte dann als gescheitert abgebrochen werden, wenn die Streitereien nach Tagen immer noch weiter gehen, oder die Tiere sich mutwillig und böse verletzen – z.B. sich blutig beissen, aggressiv nacheinander schnappen, permanent mit den Zähnen klappern. Dann bringt auch stumpfes „Weiterprobieren“ nichts. Wie bei Menschen spielt auch ab und an bei den Tieren der Sympathiefaktor eine große Rolle. Auch bei der Vergesellschaftung kann man – wenn man einige der Dinge berücksichtigt die im Vorfeld erwähnt wurden, große Fehler vermeiden. Erinnern wir uns, dass die Tiere in einer Sippe mit einer Rangfolge leben. Demnach kann es problematisch sein, Tiere, die sich vom Charakter her ähneln zu vergesellschaften. Dominante Tiere werden sich nur ungern unterordnen. Daher empfiehlt sich, zu dominanten Tieren idealerweise einen devoter Partner zu setzen. Die Zusammenführung mehrerer Tiere, die sich noch nicht kennen ist immer auf neutralem Gebiet durchzuführen. So hat keines der Tiere einen „Heimvorteil“. Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass bei der Vergesellschaftung genug Platz ist und die Tiere sich bei Streitigkeiten aus dem Weg gehen können. Bitte alle „Sackgassen“ bei denen ein Tier auf der Flucht stecken bleiben könnte, wie z.B. Häuser mit lediglich einem Eingang, Kuschelsäcke etc. entfernen. Nach der Zusammenführung auf neutralem Gebiet können die Tiere dann im neuen Gehege, dem Käfig oder Eigenbau zusammengesetzt werden. Bitte hier ebenfalls darauf achten, dass der Käfig frisch gereinigt und mit neuer Einstreu versehen wurde, - ebenfalls um einen „Heimvorteil“ der Tiere zu vermeiden, die das Revier bereits kennen. Copyright: Bisi von Schattenhunde.de |
