Meerschweinchen Frühkastration Drucken
Montag, 21. April 2008
Frühkastrationen beim männlichen Meerschwein

Neben der, bereits in einem anderen Thread beschriebenen, „normalen“ Kastration gibt es auch noch die Frühkastration beim männlichen Meerschweinchen.

Was ist das Besondere daran?

Die Frühkstration wird, anders als die „normale“ Kastration, bereits vor dem Erreichen der Geschlechtsreife durchgeführt. Der Bock ist dabei noch sehr jung – die gewichtstechnische Obergrenze für die Frühkastration sind 250g, das Gewicht erreichen Babyböckchen im Schnitt etwa nach zweieinhalb bis drei Wochen. Wichtig: das Gewicht und nicht das Alter sind dabei der Maßstab, daher empfiehlt es sich, die Entwicklung des Sprösslings genau zu beobachten und das Meeri täglich zu wiegen.
Vorraussetzung für eine Frühkastration ist, daß die Hoden schon aus der Bauchhöhle gekommen, aber noch nicht komplett abgestiegen sind.
Die Frühkastration sollte nur mit Inhalationsnarkose durchgeführt werden, das bedeutet, das Tier bekommt das Narkosemittel nicht unter die Haut gespritzt, sondern während der OP wird eine Maske auf den Nasen- und Mundraum des Tieres gesetzt, und der Narkosestoff wird inhaliert. Durch die Inhalationsnarkose wird das gesundheitliche Risiko bei der OP für das Tier noch einmal reduziert, da eine wesentlich feinere „Dosierung“ des Betäubungsmittels möglich ist.

Pro und Contra

Wem es nun moralisch verwerflich oder zu skrupellos erscheint, so junge Tiere unters Messer zu legen, dem möchte ich meine Erfahrungen mit Frühkastrationen kurz schildern.

Ich sollte dazu sagen – auch ich war anfangs, aus „moralischen“ Gründen völlig gegen Frühkastrationen. Ich habe aber festgestellt, dass die kleinen Böcke die Kastration wesentlich besser wegstecken als ältere Herren – und schon kurz nach der OP wieder mit großem Vergnügen durch den Käfig flitzen.

Ein weiterer Vorteil einer Frühkastration ist, dass die Tiere umgehend zu Damengesellschaft gesetzt werden können, da sie ja zum Zeitpunkt der Kastration noch nicht geschlechtsreif sind. Das heißt, die 6 wöchige Kastrations –Quarantäne entfällt komplett. Dies ist insofern vorteilhaft, als daß man nicht noch einen extra Quarantäne-Käfig aufstellen muss, und die Tiere nach der OP auch umgehend in ihr vertrautes Umfeld zurück gesetzt werden können.

Auch für Vermittlungstiere ist eine Frühkastration in sofern vorteilhaft, als daß man auf die 6 wöchige „Wartezeit“ verzichten kann. In der Regel genügt eine weitere Kontrolle der Kastra-Narbe eine Woche nach der OP, und das Tier kann (wenn es ansonsten gesund ist) gleich in ein neues Zuhause umziehen.

Frühkastraten sind für gewöhnlich –aber auch hier bestätigen Ausnahmen ab und an die Regel- nicht ganz so durchsetzungsstark gegenüber den Weibchen. In einer großen Weibergruppe laufen sie in den meisten Fällen als „Kumpeltyp“ mit – werden aber von den Weibern als streitschlichtende Autorität oftmals nicht ganz so anerkannt, wie ein „vollwertiger“ Kastrat.
Wer mit dem Gedanken spielt, einen Kastraten anzuschaffen, um Ruhe in eine spannungsgeladene Mädelstruppe zu bringen, der ist besser beraten, einen „richtigen“ (also nach Erreichen der Geschlechtsreife operierten) Kastraten zuzusetzen, da diese in der Regel etwas durchsetzungsfähiger sind.

Frühkastraten eignen sich gut als Gesellschaft in kleineren Gruppen oder (wenn sie sehr jung zugesetzt werden) als Partner für ältere dominante Weibchen, da sie sich prinzipiell eher unterordnen.

Die angegebenen Beispiele sind Erfahrungswerte und können natürlich keine allgemeine Gültigkeit besitzen – wie sich das einzelne Tier verhält hängt letzten Endes vom Charakter ab.

Fazit

Wer generell Bedenken hat, sein Tier kastrieren zu lassen, dem sei an dieser Stelle noch gesagt, daß die Kastration eines männlichen Meerschweins zwar ein Eingriff unter Vollnarkose ist, bei dem sich ein entsprechendes Restrisiko für das Tier nicht wegdiskutieren lässt. Dennoch ist der chirurgische Eingriff eher als eine Routine -OP einzustufen, die versierte Tierärzte gut und sicher ausführen. Das gilt gleichermassen für beide Kastrations-Formen.

Die Angst vor so einer OP sollte niemals die Legitimation dafür sein, ein männliches Tier sein Leben lang in Einzelhaft zu halten. Denn das ist nicht artgerecht und Tierquälerei.

Wenn Sie Ängste oder Bedenken haben, das Tier kastrieren zu lassen, sprechen sie mit dem behandelnden Tierarzt darüber.
Sie werden sehen, oftmals haben die Tierärzte diesen Eingriff schon über hundert Mal –je nach Praxiserfahrung- durchgeführt und bringen eine gewisse Routine mit.
Allen Fragen und Zweifeln der Besitzer wird sich ein kompetenter Tierarzt sicherlich gerne stellen.
Wenn Sie sich bei dem behandelnden Arzt nicht sicher oder nicht gut beraten fühlen, ist es in jedem Fall besser, einen weiteren Veterinärmediziner zu kontaktieren.

Wenden Sie sich im Zweifelsfall an die Tierärztekammer oder Tierschutzvereine – dort wird Ihnen mit Sicherheit kompetent weitergeholfen bei der Suche nach dem Meeri -Tierarzt Ihres Vertrauens.
 
   
 
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